B5: Fertigungsorientierte Entwurfsmethodik für Software eingebettet in Komponenten mobiler Systeme
Elektrik und Elektronik stellen heutzutage eines der größten
Innovations-, leider aber auch das höchste Pannenpotential im
Automobilbau dar. Die integrierten Neuerungen trugen 2004 bereits 40
Prozent zur Wertschöpfung eines Oberklassewagens bei; Tendenz steigend.
Leider schlägt sich die durch diese Innovationen stark erhöhte
Komplexität der Systeme auch in den Pannenstatistiken nieder, wonach
bereits im Jahre 2008 40 Prozent der Pannen auf Elektrik und Elektronik
zurückzuführen waren.
Im Bereich der Automobiltechnik besteht ein Bedarf an neuen Modellen,
Methoden und Werkzeugen zur Softwareentwicklung (engl. Automotive
Software Engineering, ASE). Die Hauptprobleme sind hierbei die
Heterogenität der Automobilsysteme, deren Integration sowie die Vielzahl
an vorhandenen Funktionsvarianten. Die Heterogenität entsteht durch die
Vernetzung der Steuergeräte und deren dezentrale Verteilung zur
Verbesserung der Modularisierbarkeit von Funktionen sowie der
sensornahen Verarbeitung von Daten. Dieser wirkungsortgerechte Einsatz
stellt jedoch extreme Anforderungen an die Steuergeräte, die aufgrund
der dort herrschenden mechanischen und thermischen Belastungen gegeben
sind.
Ziel dieses Teilprojekts ist es, durch gezielten Einsatz von Software
und modellbasierter Entwurfsmethoden, Fehler im Betrieb, hervorgerufen
u.a. durch Alterungsprozesse und fertigungsbedingte Toleranzen, zu
kompensieren. Durch optimierte Auslegung sowie Software-basierte
Überwachung und Steuerung soll eine maßgebliche Erhöhung der
Zuverlässigkeit und Robustheit eingebetteter
Hardware/Software-Komponenten mobiler Systeme erzielt werden.
Aktuelle Forschungsergebnisse
Der Schwerpunkt der bisher erzielten Ergebnisse liegt in der
effizienten automatischen Zuverlässigkeitsanalyse und
Zuverlässigkeitsoptimierung im Entwurfsprozess. Auf Basis der
modellierten Eigenschaften des Systems sind in einem ersten Schritt
vollautomatische Verfahren zur Zuverlässigkeitsanalyse entwickelt
worden. Unter Verwendung einer modellbasierten Spezifikation ist eine
formale Vorgehensweise zur Erstellung einer das System beschreibenden
Strukturfunktion entwickelt worden. Diese erlaubt die automatische
Berechnung einer Vielzahl relevanter Zuverlässigkeitskenngrößen wie
beispielsweise der Mean-Time-To-Failure (MTTF). Durch die Entwicklung
und Adaption von symbolischen Techniken in der Phase des Systementwurfs
ist eine automatische Integration zuverlässigkeitssteigernder Maßnahmen
wie die redundante Taskbindung, die Verwendung von Mehrheitsentscheider
oder die Nutzung sogenannter Graceful Degradation Mechanismen erzielt
worden. Da die Anwendung zuverlässigkeitssteigernder Maßnahmen im
Allgemeinen mit einem Kostenaufwand verbunden ist, muss der Trade-off
zwischen Zuverlässigkeit und zusätzlichen Kosten sorgfältig gewählt
werden. Die im Teilprojekt B5 entwickelten, kostenbewussten Maßnahmen
zur Steigerung der Zuverlässigkeit sorgen hierbei für hohe
Zuverlässigkeitssteigerung bei überschaubaren Kosten. Um einen Trade-off
zu weiteren Zielgrößen des Systementwurfs wie Durchsatz, Energieaufnahme
oder Volumenverbrauch zu ermöglichen, sind die entwickelten Techniken in
ein am Lehrstuhl CoD entwickeltes Werkzeug zum automatischen Entwurf von
Hardware/Software-Systemen integriert worden. Hier werden durch eine
Mehrzieloptimierung qualitativ hochwertige Implementierungen gefunden
und dem Entwickler zur Verfügung gestellt.
Zur Laufzeit erfolgt eine Überwachung und Regelung des Systems durch ein
im Teilprojekt B5 entwickeltes Software-basiertes System. Die in Bild 1
dargestellte Architektur überwacht das System hierbei und ermittelt,
unter Verwendung von Daten aus dem Entwurf, den derzeitigen
Systemzustand. Dieser Zustand wird an den Controller übermittelt, der,
wiederum unter Verwendung von Daten aus der Entwurfsphase, Fehler im
Betrieb, wann immer möglich, ausgleicht bzw. geeignete
Degradierungsmaßnahmen vornimmt. Im Teilprojekt B5 sind hierfür
geeignete Datenstrukturen und Online-Verfahren entwickelt worden.
Aufbau eines Hardware/Software-Systems unter Verwendung einer Software-basierten Überwachungs- und Steuerungsmethodik zur Erhöhung der Qualität und Zuverlässigkeit des Systems zur Laufzeit.
Teilprojektleiter
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Teich
Lehrstuhl für Hardware-Software-Co-Design (CoD)
Am Weichselgarten 3
91058 Erlangen
Telefon: +49 9131 8525150
Fax: +49 9131 8525149
Email: teich@informatik.uni-erlangen.de
Publikationen
[1] STREICHERT, T.; GLAß, M.; HAUBELT, C.; TEICH, J.: Design space exploration of reliable networked embedded systems. In: Journal on Systems Architecture (JSA), 53(10). S. 751-763, 2007.
(Download)
[2] GLAß, M.; LUKASIEWYCZ, M.; HAUBELT, C.; TEICH, J.: Incorporating Graceful Degradation into Embedded System Design. In: Design, Automation and Test in Europe (20.-24.04.2009, Nizza, Frankreich), Akzeptiert.
[3] REIMANN, F.; GLAß, M.; LUKASIEWYCZ, M.; KEINERT, J.; HAUBELT, C.; TEICH, J.: Symbolic Voter Placement for Dependability-Aware System Synthesis. In: 6th International Conference on Hardware/Software Codesign and System Synthesis (19.-24.10.2008, Atlanta, USA), S. 237-242.
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[4] GLAß, M.; LUKASIEWYCZ, M.; REIMANN, F.; HAUBELT, C.; TEICH, J.: Symbolic Reliability Analysis of Self-healing Networked Embedded Systems. In: 27th International Conference on Computer Safety, Reliability and Security (22.-25.09.2008, Newcastle upon Tyne, UK), S. 139-152.
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[5] GLAß, M.; LUKASIEWYCZ, M.; WANKA, R.; HAUBELT, C.; TEICH, J.: Multi-Objective Routing and Topology Optimization in Networked Embedded Systems. In: International Conference on Embedded Computer Systems: Architectures, Modeling, and Simulation (21.-24.07.2008, Samos, Griechenland), S. 74-81.
(Download)
[6] GLAß, M.; LUKASIEWYCZ, M.; REIMANN, F.; HAUBELT, C.; TEICH, J.: Symbolic Reliability Analysis and Optimization of ECU Networks. In: Design, Automation and Test in Europe (10.-14.03.2008, München, Deutschland), S. 158-163.
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[7] LUKASIEWYCZ, M.; GLAß, M.; HAUBELT, C.; TEICH, J.: SAT-Decoding in Evolutionary Algorithms for Discrete Constrained Optimization Problems. In: Congress on Evolutionary Computation (25.-28.09.2007, Singapore, Singapore), S. 935-942.
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[8] LUKASIEWYCZ, M.; GLAß, M.; HAUBELT, C.; TEICH, J.: Solving Multiobjective Pseudo-Boolean Problems. In: 10th International Conference on Theory and Applications of Satisfiability Testing (28.-31.04.2007, Lissabon, Portugal), S. 56-69.
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[9] GLAß, M.; LUKASIEWYCZ, M.; STREICHERT, T.; HAUBELT, C.; TEICH, J.: Reliability-Aware System Synthesis. In: Design, Automation and Test in Europe (16.-20.04.2007, Nizza, Frankreich), S. 409-414.
(Download)
[10] GLAß, M.; LUKASIEWYCZ, M.; STREICHERT, T.; HAUBELT, C.; TEICH, J.: Synthese zuverlässiger und flexibler Systeme. Zuverlässigkeit und Entwurf (26.-28.03.2007, München, Deutschland)S. 141-148.
(Download)
[11] GLAß, M.; LUKASIEWYCZ, M.; REIMANN, F.; HAUBELT, C.; TEICH, J.: Dependability-Aware System Synthesis: SystemCoDesigner, Opt4J, and JReliability. Design, Automation and Test in Europe (20.-24.04.2009, Nizza, Frankreich), Akzeptiert.




